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Eine Reise nach Bagdad mit der Fähre MS „Jebel Ali 1“ Bagdad vom 19.06. bis 25.06.1999 zusammengestellt von
Am Samstag, den 19.06.1999, begann meine erste Reise von Dubai nach Bagdad mit der wenige Wochen zuvor in Dienst gestellten Fähre „Jebel Ali 1“. Meine Reisegefährten waren Herr Franz Reichwein von der BFAI und Herr Nofel, unser Chef-Übersetzer in Bagdad. Uns war gesagt worden, daß wir uns gegen zwei bis halb drei am Hafeneingang von Port Rashid einfinden sollten. Wir würden dann mit einem Bus an Bord gebracht werden. Gegen 15.00 Uhr betraten wir die neue Halle am Eingang vom Port Rashid zur Einklarierung von Passagieren. Herr Reichwein und seine Gattin waren bereits dort. Die Einklarierungshalle glich einem Bazar. Die Halle war zwar neu, die Inneneinrichtungen aber waren weitgehend noch nicht fertig und standen verstreut herum. Alles war provisorisch. Die Folge war, daß die Einklarierung orientalischen Riten folgte. Mit etwas Wehmut dachte ich an die zügige Abfertigung im Flughafen. Gegen 16.30 Uhr war es überstanden und wir wurden mit einem Bus an Bord gebracht. Über die Heckrampe betraten wir das Schiff. Unser Gesamtgepäck betrug etwa 150 kg, davon hatte Herr Reichwein ca. 10 kg und ich gute 20 kg und Herr Nofel hatte offenbar Dubai fast leergekauft. Die „Jebel Ali 1“ ist 100 m lang und 17,5 m breit. Die Dekoration und die Beschriftung deuteten darauf hin, daß das Schiff vorher in Spanien im Einsatz war. Herr Reichwein vermutete, daß die Fähre möglicherweise von Barcelona zu den Balearen gefahren sei. Die Bauwerft ließ sich auf den ausgehängten Plänen nicht identifizieren. Ein Schwimmbad gab es nicht, aber einen großen Aufenthaltsraum und ein großes Restaurant, in dem gefrühstückt und das Mittag- und Abendessen eingenommen wurde. Das Schiff war sauber, aber bereits etwas in die Jahre gekommen. Der Allgemeinzustand schien jedoch noch in Ordnung zu sein. Das Auslaufen war für 17.00 Uhr vorgesehen und wir (Herr Reichwein und ich) genossen das erste Bier (Foster, kein Becks) an der Bar im großen Aufenthaltsraum. Das Auslaufen zog sich hin und wurde dann für 20.30 bis 21.00 Uhr angekündigt. Tatsächlich liefen wir dann endlich um 22.20 Uhr aus. Den Grund der Verzögerung erfuhren wir nicht. Auch sonst gab es keine Informationen für die Passagiere. Alles arrangierte sich automatisch. Obwohl wir bereits in der Abfertigungshalle von Economy zur 1. Klasse hochgestuft worden waren, hatte Herr Reichwein, der unsere Kabine gleich zu Beginn inspizierte, erhebliche Bedenken und schlug vor, daß wir die Kabine wechseln sollten. Wir erhielten ohne Zögern eine andere Kabine, ein Deck höher. Sie war zwar sauber, aber doch auch recht einfach war und rechtfertigte wenig den Namen “Erste Klasse”. Sie erinnerte mich eher an meine Schiffsjungen-Zeit. Die Kabine hatte zwar eine eigene kleine Toilette, aber weder Tisch noch Schränke. Zwei Kojen übereinander machten es zu einer Zweimannskabine. Die Mahlzeiten waren relativ einfach und orientalisch ausgerichtet. Insgesamt war das Essen jedoch akzeptabel. Die Besatzung war überwiegend indisch und sehr höflich und zuvorkommend. Die Reise verlief ohne jede Zwischenfälle. Der Wind war schwach. Das Schiff zog seine Bahn durch den Golf und lag wie auf einem Brett. Kein Seekranker weit und breit …… Die Preise im Duty Free Shop waren sehr günstig, Black Label kostete Dhs 68,00 die 0.75 l Flasche, Red Label und eine Stange Malboro kosteten Dhs 34,00. Am Montag, dem 21.06.1999 liefen wir morgens auf dem Shabt El-Arab zu. Das Wasser war schon mit Flußschlamm gemischt, dunkelbraun, obwohl noch kein Land zu sehen war. Das Wasser war flach und betonnt, links und rechts lagen einige Wracks. Schließlich fuhren wir an einem Schiffskai vorbei, an dem insgesamt sieben Frachter lagen. Eines von ihnen war die „Else Oldendorf“, ein kleines Containerschiff der deutschen Reederei Oldendorf aus Lübeck. Kurz dahinter war dann auch bereits unser Liegeplatz. Gegen 10.30 Uhr lagen wir fest. Bald darauf wurden wir mit einem Bus zum Einklarierungsterminal gebracht, eine Lagerhalle, die notdürftig umgebaut worden war. Die Abfertigung verlief recht orientalisch. Aircondition und sogar Ventilatoren waren in der Abfertigungshalle für unnötigen Luxus erklärt worden. Alles dauerte und dauerte. Am Aidstest für US$ 50,00 kamen wir nicht vorbei. Mein Laptop und unsere Kameras brauchten eine Sondergenehmigung und zum Schluß mußte noch Nofel intensiv um den Einfuhrzoll für die “Kleinigkeiten” kämpfen, die er in Dubai sich besorgt hatte. Endlich um 15.00 Uhr hatten wir alles hinter uns. Wie durch ein Wunder schaffte es der Fahrer eines Caprice, unser gesamtes Gepäck im Kofferraum und auf dem Gepäckträger unterzubringen. Kurz vor Basra treffen wir auf umfangreiche Ölanlagen. Einige Schornsteine fackeln Gas aus den Erdölfeldern ab. In der Nähe dieser Ölfelder liegt die Stadt Zubair. Zubair war ein Lebensgefährte von dem Propheten Mohammed. Die Reise von Umm Qasr nach Basra führte uns durch ein ödes Gelände. Von Umm Qasr selbst sahen wir nur ein paar Lagerhallen. Das ganze Gelände war von kleinen Wällen durchzogen, die offenbar im iran-irakischen Krieg als Schützengräben dienten. Kurz vor Basra sahen wir die ersten Palmen, die dann aber immer zahlreicher wurden. Basra mag mal eine schöne Stadt gewesen sein. Heute ist sie runtergekommen. Viele Häuser wurden im Krieg beschädigt und nicht wieder repariert oder aufgebaut. Die vielen Palmenhaine geben der Landschaft jedoch ihren eigenen Reiz. In Basra fahren wir ein Stück den Shabt El-Arab Arab entlang, wo auch das Sheraton Hotel liegt. Entlang des Ufers sind von 88 Generäle, die im iran-irakischen Krieg gefallen waren, Statuen aufgerichtet worden. Alle zeigen mit dem Finger auf den Iran. Nofel berichtete, daß gegenüber dem Sheraton Hotel heftige Kämpfe stattgefunden haben, und auch das Sheraton Hotel selber Granatsplitter abbekommen hat. Am Ausgang von Basra treffen wir auf ein Wegweiserschild, das nach Bagdad noch 545 km anzeigt. Wir wählen die östliche Strecke über Amara. Bis Amara sind es noch 160 km. Von Basra aus führt uns der Weg nach Norden entlang dem Shabt El-Arab. Nach 75 km erreichen wir die Stadt Kourna, eine Stadt, bei der sich der Euphrat und der Tigris zu dem Shabt El-Arab vereinigen. Genau an der Stelle, an der sich die Flüsse vereinigen, liegt der „Baum Adams“, von dem die Geschichte erzählt, daß Adam und Eva von diesem Baum den berühmten Apfel aßen. Nofel berichtet, daß der Baum etwa 4-5 m hoch und etwa 40-50 cm dick ist. Er ist der Ansicht, daß das Holz eher nach Zedernholz aussieht. Hinter Kourna überqueren wir den Euphrat und fahren in das Zweistromland hinein, von dem bereits das Alte Testament berichtet und von dem gesagt wird, daß hier die Wiege der Zivilisation der Menschen stand. Der Anblick heute ist wesentlich nüchterner. Ärmliche kleine Häuser aus Lehmziegeln säumen den Straßenrand. Zunächst bleibt der Tigris auf der rechten, also der östlichen Seite. In Amara fahren wir über den Tigris und fahren auf der östlichen Seite des Tigris weiter. In Amara selbst gab es einen kurzen Luftalarm, den aber wohl keiner recht ernst nahm. Keiner schien sehr beunruhigt zu sein. Später erfuhr ich, daß wenige Tage zuvor unmittelbar nach solch einem Alarm eine Straßenpolizeikontrolle in die Luft gesprengt worden war. Alle 20 km kam ein Straßenposten, an dem wir kurz halten mußten. Unsere Pässe haben wir jedoch nie vorzeigen müssen. Auffallend war, daß die schwere Landarbeit fast ausschließlich von den Frauen verrichtet wurde. Sie hüteten die Rinder und Schafe, arbeiteten auf den Feldern, wuschen die Wäsche an den Bewässerungskanälen oder am Tigris und trugen Wasser oder andere Lasten auf dem Kopf von einem Ort zum anderen. Punkt 20.00 Uhr ging die Sonne unter und damit knapp eine halbe Stunde später als am Tage zuvor und rund 1 Stunde später als in Dubai. Die Straße war doppelspurig. Beide Spuren waren unbeleuchtet und unmarkiert. Die Fahrbahnen war durch einen breiten Streifen getrennt, der manchmal eine Mulde war, manchmal war er auch bewachsen. Abends um 23.00 Uhr, d.h. nach 8 Stunden Fahrt mit einer kurzen Unterbrechung, erreichten wir schließlich Bagdad. Unser Office lag im dunkeln. Um 24.00 Uhr gab es dann wieder Strom, der aber bereits gegen 01.00 Uhr wieder ausfiel und erst morgens um 06.00 wieder eingeschaltet wurde. Die Nacht war daher recht heiß. Der normale Stromversorungsrythmus war 6 Stunden Strom, 3 Stunden Stromausfall, tagaus, tagein, Ausnahmen ausgenommen. Bagdad mit seinen Embargoproblemen hatte mich wieder. Bagdad im Juni 1999
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