|
Eine Reise in den Irak im Mai 2000: Im Zeichen des Embargos zusammengestellt von
Nach langen Vorüberlegungen und Plänen wurde ein langgehegtes Vorhaben kurzfristig in Angriff genommen. Zwei alte Freunde wollten nach Kurdistan im Norden Iraks. Die Termine wurden kurzfristig festgelegt. Die Visa drohten – wie immer – nicht rechtzeitig fertig zu werden. Wie immer – diesmal dank großartiger Unterstützung durch die Lufthansa – klappte es dann doch noch. Uwe Stothfang reiste von Deutschland und Rolf Meyer-Reumann von Dubai, Vereinigte Arabische Emirate an. Wir trafen uns am Sonntag, den 23.4.2000 in Amman, das wegen des gegenwärtigen Flugverbotes im Irak das Ende jeder Flugreise in den Irak bildet.
Das Taxi für die 1001 km nach Bagdad
steht bereit. Wir treffen uns im Interconti Hotel von Amman und kurz nach
12 Uhr brechen wir zusammen mit Herrn Michael Süsser und Herrn Dieter
Koch von der Lufthansa in Richtung Bagdad auf. Über Azraq, Saffawi
und Mantaqa erreichen wir gegen 5 Uhr die jordanische Grenzstation Karama.
Ein Bus, etliche Lastwagenfahrer und ca. 10 Autos, die ohne Nummernschild
überführt werden, warten bereits auf ihre Visas. Auf der irakischen
Seite (Trebil) dürfen wir Dank der Einladung Iraqi Airways in der
VIP-Lounge sitzen und sind vom AIDS Test befreit.
Die ersten beiden Tage vergehen mit einigen Geschäftsterminen und den Vorbereitungen für die Reise in den Norden. Am ersten Abend gehen wir zum Masqouf-Essen in das bekannte Nobel-Restaurant Finjan. Masqouf nennt man die Zubereitung von Fischen, die vom Rücken her aufgeschnitten und am offenen Feuer gegrillt werden. Abdullah, ein irakischer Geldwechsler, der uns in den Norden begleiten will, und Dr. Riad Dabagh, ein alter Freund und Rektor der Mustanzariyah Universität, der zweitältesten Universität der Welt, sind mit von der Partie. Dr. Riad Dabagh macht uns mit Mr. Dilsheer bekannt, der direkt gegenüber dem Finjan sein Büro hat. Mr. Dilsheer hat bereits für Peter Scholl-Latour die Reise nach Kurdistan vorbereitet und ist daher ein Kenner erster Güte für unsere Pläne. Wir haben Glück, denn Mr. Dilsheer ist ohnehin gerade auf dem Weg nach Mosul und wir vereinbaren, ihn dort wiederzutreffen, um Details unserer Reise zu besprechen.
Am folgenden Morgen statten wir unserem Sponsor, Mr. Rabieh von der Iraqi Airways, unseren Besuch ab, der uns eingeladen hat. Mr. Rabieh bemüht sich, uns eine offizielle Genehmigung für die Einreise nach Kurdistan zu besorgen, kann jedoch so kurzfristig keinen Verantwortlichen mehr erreichen, da alles mit den Vorbereitungen zu den Geburtstagsfeiern des Präsidenten am 28.4.2000 beschäftigt ist. Am Nachmittag gehen wir mit unserem lokalen Rechtsanwalt Herrn Auss Younis und unserem Übersetzer Herrn Nofel auf Fotojagd durch Bagdad. Vieles darf aus Sicherheitsgründen nicht fotografiert werden. Doch Nofel ist bestens informiert und leitet uns sicher. Wir fotografieren den Siegesbogen des Irakisch–Iranischen Krieges (22.9.1980 – 8.8.1988) (qaus al nasr, gebildet aus zwei gekreuzten Schwertern), den Saddam Fernsehturm (Baujahr 1994) und die sich davor befindliche Statue des Präsidenten, Übersichtsbilder vom Fernsehturm auf den Tigris und die alte Pferderennbahn, wo gerade eine neue, mächtige Moschee errichtet wird, das Denkmal des unbekannten Soldaten (Al Jundi Al Madkhul), das Rashid Hotel mit seinem denkwürdigen Eingang, das Märtyrer Denkmal (Nasb Al Shahid) und verschiedene Szenen von der Stadt und ihren Märkten. Insbesondere der Zustand der zahlreichen Märkte und die nicht vorhandenen Ausländer sind deutliche Hinweise auf das Embargo und seine Folgen.
Am Abend lädt Abdullah zu einem Essen in Al Fahama am Tigris im Norden Bagdads ein. Auf unseren Wunsch gibt es wie am Vortage wieder Masqouf vom Karpfen (arab. karibi). Am 27.4.2000 brechen wir auf in den Norden. Geht es wirklich nach Kurdistan? Wir wissen es nicht! Die letzten Vorbereitungen sind getroffen. Die Taxis nach Amman nach unserer Rückkehr aus dem Norden sind bestellt und die Flüge von Amman nach Hause gebucht. Um 12.00 Uhr brechen wir dann mit Abdullahs Mercedes auf. Der Wagen ist im besten Zustand. Die Wirkung der Aircondition ist jedoch limitiert, so daß uns das Schwitzen nicht ganz erspart bleibt. Die Temperaturen um 300 C sind aber noch recht verträglich; oft haben wir die Fenster heruntergekurbelt. Die Fahrt von Bagdad nach Samarra führt uns durch recht grünes Gelände. Überall sehen wir Dattelpalmen, Orangen- und Eukalyptusbäume, unterbrochen von Korn- und Gemüsefeldern.
Rund 120 km hinter Bagdad überqueren wir die Brücke der Samarra-Talsperre und erreichen die erste Sehenswürdigkeit auf unserer Reise: das Spiralen- (arab. Malwiya) Minarett der Großen Moschee von Samarra (s.Abb.). Uwe und ich lassen es uns natürlich nicht nehmen, das 52 m hohe Minarett auf den oben immer enger werdenden Spiralen zu bezwingen und von ganz oben die Aussicht über die reichlich renovierungsbedürftigen alten Stätten (viel mehr als angedeutete Grundrisse war eigentlich nicht mehr zu erkennen) und über das neue Samarra mit dem Al Askari Schrein zu genießen. Abdullah hat es vorgezogen, uns von unten aus zu bewundern!
Rund 74 Jahre nach der Gründung Bagdads war Samarra für einige Jahre (von 836 bis 892 n.Chr.) Regierungssitz der abbasidischen Kalifen. Trotz der Kürze der Zeit erstrecken sich die Überreste dieser Periode über ein Gelände von rund 35 km entlang des Tigris und sprechen von glanzvollen wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen. In Samarra befindet sich u.a. der Askari Schrein, wo die Imame Ali Al-Hadi und sein Sohn Hassan Al Askari unter einer 68 m weiten Goldkuppel mit zwei goldenen, 36 m hohen Minaretten begraben liegen.
Nach Samarra geht es weiter nordwärts
vorbei an Owja, der Geburtsstadt von Präsident Saddam Hussein. Abdullah
berichtet uns, daß Saddam Hussein seinen Geburtstag in Owja verbringen
wird. Wir sehen viele Majliszelte, das sind arabische Zelte, in denen sich
alle, die Lust haben, versammeln und über alles wichtige und unwichtige
sprechen können. Wir begegnen auf der Straße vielen Bussen,
die die Bevölkerung zu den verschiedensten Geburtstagsfeiern befördern.
Der nächstgrößere Ort auf der Strecke ist Tikrit, der Geburtsort
des berühmten arabischen Helden Salahuddin Al-Ayyubi (geb. 1137 n.Chr.),
der in der Schlacht von Hittin im Jahre 1187 n.Chr. die Kreuzritter entscheidend
schlug und Jerusalem zurückeroberte. Dann kommen wir durch Beji.
Hier sehen wir zum ersten mal Ölfelder und Flammen, die austretende
Gase abfackeln. Abdullah berichtet, daß das Öl z.T. mit Lastzügen
nach Jordanien und z.T. über eine Erdölleitung zum türkischen
Hafen Ceyhan befördert wird.
Der Tigris führt nur wenig Wasser, was wir bereits in Bagdad beobachtet hatten. Die Landschaft macht einen vertrockneten Eindruck und ist bei weitem nicht so üppig grün, wie sie in Büchern und von den Bewohnern beschrieben wird. Man kann deutlich sehen, daß es in dieser Region seit zwei Jahren nicht mehr richtig geregnet hat (s. Abb). In unseren Gesprächen in den folgenden Tagen ist die Trockenheit immer wieder das Thema Nummer eins - noch vor dem Embargo, mit dem man sich offenbar schicksalhaft abgefunden hat. Ein Unglück kommt eben selten allein!
Etwa 80 km vor Mosul biegen wir nach links ab und erreichen nach 27 km Hatra, eine alte Königsstadt der Parther aus der Zeit von 300 v.Chr. bis ca. 300 n. Chr. In der Stadt wohnten einst rund 50-60.000 Menschen, die vom Handel lebten, da durch Hatra alte Karawanenstraßen führten. Wasser musste durch eine Kanalisation von weit her herangeschafft werden. Vermutlich hatten Sicherheitsgründe und die Befestigungsmöglichkeiten den Standort der Stadt bestimmt. In der Tat hat die Stadt vielen Angriffen widerstanden. Die Stadt war von einem äußeren Erdwall und von einer inneren, starken Stadtmauer geschützt, die vier Eingänge hatte, und bei der sich auf der Innenseite ein 6 m tiefer und 10 m breiter Stadtgraben befand. Im Innenbereich liegen die Tempel, die permanent restauriert werden (Es bleibt noch viel zu tun!). Es wurden hier in vorislamischer Zeit verschiedene Götter angebetet, darunter auch die Venus. Die heiligen Tiere waren das Kamel und der Adler, der die Verbindung zum Sonnengott herstellte. Ein Touristenhotel ganz in der Nähe von Hatra hat wegen des Embargos geschlossen. Touristen sind Mangelware!
Gegen 17 Uhr erreichen wir Mosul und Abdullah gibt uns einen Eindruck von der Stadt. Mosul ist die größte Stadt im Norden Iraks. Wir lernen, daß der Name “Mosul” von dem arabischen Begriff "al-Mawsil" (=Zusam-menfluss) abgeleitet ist, da hier mehrere Arme des Tigris zusammenfließen. Wie alles in dieser Region hat auch Mosul eine alte, glorreiche Vergangenheit, die bis in die Zeit der Assyrer zurückreicht. Die alte assyrische Hauptstadt Ninive, nach der auch der Regierungsbezirk benannt ist, grenzt unmittelbar an die Stadt Mosul an (s. Abb.).
Das Zentrum ist voll von vielen kleinen Geschäften und der Verkehr sehr belebt. Am Tigris entlang gibt es viele Vergnügungsplätze, auf denen zahlreiche Hochzeiten gefeiert werden. Donnerstags ist offensichtlich Hochzeitstag. Das Hupen der Hochzeitskonvois ist ein Vergnügen, das die Iraker sich auch heute noch leisten können. Das pulsierende Leben kann jedoch nur mangelhaft den Gesamt-Eindruck verwischen, daß Mosul noch mehr unter dem Embargo leidet als Bagdad.
Bei unserem Abendessen in einem von Abdullah
handverlesenen Restaurant in Mosul läßt er uns einen Saft servieren,
den es nur hier gibt und den er Sherbat Zabib nennt. Er wird aus roten
Rosinen hergestellt, die aus der Region stammen. Er muß stets frisch
hergestellt sein und schmeckt köstlich und erfrischend. Sherbat Zabib
wird zu unserem Lieblingsgetränk!
Nach dem Frühstück wird mit Abdullah der Plan der nächsten Tage besprochen. Mr. Dilsheer, den wir in Mosul wiedertreffen wollten, hatte sich noch nicht bei uns oder bei Abdullah gemeldet. Zur besseren Verständigung hat Abdullah seinen Cousin Dr. Beshar, einen Gesichtschirurgen, mitgebracht. Er empfiehlt uns dringendst, nicht in die nördlichen Gebiete Kurdistans zu fahren, da es dort ständige Unruhen gebe und unsere Sicherheit nicht gewährleistet werden könne. Auch hat Abdullah noch einen Anruf vom Außenministerium bekommen, in dem er dringend darauf hingewiesen wurde, nicht mit uns in die nördlichen Kurdengebiete hineinzufahren. Was sollen wir machen? Die Mächte sind gegen uns! Kurdistan ade!
Dr. Beshar macht uns jedoch nicht uninteressante Alternativvorschläge. Sie würden uns soweit wie möglich an die kurdischen Gebiete heranführen, wie dieses sicherheitsmäßig möglich sei. Diese Gebiete seien zudem für den “gefährlichen“ Teil Kurdistans durchaus repräsentativ.
So beschließen wir für Freitag, den 28.4.2000, ein altes christliches Kloster oben in den Bergen etwa 30 km nordöstlich von Mosul zu besuchen, anschließend nach Mosul zurückzukehren, um dann an der Saddam Talsperre nördlich von Mosul zu übernachten. Bald hinter Mosul lassen wir die Autobahn, die in die kurdische Provinz Arbil führt, links liegen und biegen nach rechts in eine kleine Landstraße ein. Der Weg führt uns durch wohlbestellte aber sehr niedrig gewachsene Weizenfelder. Dann fahren wir in steilen Serpentinen den Berg Maghloub (auch nach dem Kloster “Jebel Mar-Metti“ genannt) bis zur Spitze hinauf und machen die ersten Bilder vom „wilden Kurdistan“, bzw. Bilder, die dem entsprechen, wie es dort aussehen soll. Beim Gehen am Berg merken Uwe und ich deutlich die Folgen des Besteigens des 52 m hohen Samarra-Mineretts in den Waden. Minarette Besteigen ist nun mal nichts für alte Seeleute!
Im Kloster treffen wir den Mönch Vater Adfar, der uns die Geschichte des Klosters erzählt, die bis ins 4. Jhd. n. Chr. zurückreicht. Das Kloster ist dem Heiligen St. Mathias (mar-Metti) geweiht. Vater Adfar war schon in vielen Ländern gewesen und kommt ursprünglich wohl aus Brasilien. Der Heilige Mathias war einst ein Priester in der Türkei, der mit vierzig anderen wegen seiner Glaubensrichtung von dort flüchten mußte und so zu dem Berg Maghloub in Kurdistan kam, wo die Flüchtigen in den vielen natürlichen Höhlen des Berges Unterschlupf fanden. Hier blieben sie und lebten u.a. davon, daß sie von den Pflanzen, Büschen und Bäumen der Berge die verschiedensten Arzneien herstellten.
Eines Tages wurde der Heilige Mathias von König Senecharib aus dem persischen Volksstamm der Ilamiten aufgefordert, seine leprakranke Tochter Sarah zu heilen. Der Heilige Mathias begoß die Tochter mit Wasser, heilte sie damit auf der Stelle und unterwies sie, ihren Bruder Behnem und ihr Gefolge im christlichen Glauben, die sich daraufhin taufen ließen. Als ihr Vater davon hörte, ließ er sie, ihren Bruder und das Gefolge töten. In der Überlieferung heißt es, daß es sie auch verbrennen lassen wollte. Hierzu kam es jedoch nicht, denn plötzlich tat sich die Erde auf, nahm die Toten auf und schloß sich wieder. An dieser Stelle, etwa 10 km von Nimrod entfernt in Richtung Kirkuk wurde später ein weiteres Kloster zu Ehren des Bruders St. Behnam errichtet. Folge der Tötung war eine schwere Plage, die das Land heimsuchte und auch den König traf. Dem König wurde kundgetan, daß nur der Heilige Mathias ihm helfen könne. So suchte er ihn auf, wohnte bei ihm und konnte schließlich sich und sein Land von der Plage befreien. Er bereute, was er seiner Tochter angetan hatte, und ließ sich ebenfalls zum christlichen Glauben bekehren. Der König gab daraufhin den Befehl, das Kloster Mathias zu errichten, deren erster Abt der Heilige Mathias war.
Bis zu 1000 Mönche lebten dereinst
in dem Kloster und in den Höhlen am Berg Maghloub. Heute hat das Kloster
nur noch zwei Mönche. Gleichwohl geht es im Kloster recht lebhaft
zu. Noch in den 80er Jahren hatte die irakische Regierung eine Zufahrt
zum Kloster und einen Anbau finanziert. Zahlreiche Besucher verschiedener
Religionen wohnen hier in kleinen Unterkünften für mehrere Tage
und erhoffen sich hiervon eine Heilung von ihren Krankheiten.
Auf unserer Fahrt nach Mosul verdunkelt sich der Himmel und es sieht nach Regen aus. Nach zwei Jahren Dürre ist Regen in der ganzen Region stark gefragt. Alles wartet auf Regen! Als wir im Restaurant sitzen, kommen heftige Windböen auf, die wir als Vorboten des Regens deuten. Die Windböen schlafen jedoch wieder ein und der Himmel klärt sich auf. Wieder kein Regen! Unsere Fahrt geht wieder in Richtung Norden, aber leider nicht nach Kurdistan. Etwa 30 km nördlich von Mosul beginnt die große Saddam-Talsperre, die sich nach Norden über 50 km bis an die Grenze zur Türkei hin erstreckt. Die Talsperre wurde Anfang der 80-er Jahre unter anderem mit Hilfe zahlreicher deutscher Firmen erstellt und erfaßt ein riesiges Gebiet. Abdullah bringt uns zu einem Touristendorf an der Südwestecke des Sees, wo Uwe und ich übernachten. Auch das Touristendorf ist von den Folgen des Embargos gezeichnet. Im Supermarkt hat man vergeblich versucht, mit den vorhandenen Waren die Regale zu füllen. Das Notwendigste ist jedoch vorhanden.
Bei einem Spaziergang am See fotografieren wir eine Horde Kinder, die sich alle in den Kofferraum eines Autos gezwängt haben und zeigen ihnen anschließend das Foto auf der Digitalkamera. Dies hat enorme Auswirkungen. Auch die Mütter, die in der Nähe sitzen und lautstark informiert worden waren, wollen fotografiert werden und bestaunen die Bilder mit heftigem Beifall. Uwe wird als Hahn im Korb liebevoll in ihre Mitte genommen (s.Abb). Kaum ins Dorf zurückgekehrt, haben uns die Kinder bereits wieder eingeholt, dicht gefolgt von den Damen und wollen erneut fotografiert werden. Die Digitalkamera wird der Hit des Abends! Alt und Jung kommt zu unserem Bungalow, um fotografiert zu werden. Die Bilder werden jedesmal lautstark bewundert. Der Gartenzaun wäre bald dem allzu ungestümen Andrang zum Opfer gefallen. Schließlich werden die Batterien der Kamera schwach, geben ihren Geist auf und setzen dem Vergnügen ein Ende. In der Nacht kommt der langersehnte Regen dann doch noch. Über mehrere Stunden erstreckt sich ein Gewitter, das viel Regen bringt. Am Morgen scheint jedoch wieder die Sonne. Der Regens hat aber überall deutliche Spuren hinterlassen. Insgesamt ein Tropfen auf den heißen Stein?
Nachdem ich noch einige Bilder vom Dorfzentrum gemacht habe, holt uns Abdullah pünktlich um 09.00 Uhr ab. Wir wollen zunächst in Mosul bei einem Schlachter frühstücken, den Abdullah, der in Mosul geboren wurde, gut kennt. Das Gericht ist für die Gegend typisch und heißt “Tashribe“ (s. Abb). Fladenbrot wird in kleine Stücke zerrissen und auf einem Teller mit einer Suppe übergossen, die aus Lammfleisch, Wasser, Tomaten, einigen anderen Gewürzen besteht. Das Gericht schmeckt ausgezeichnet. Trotz Abdullahs Zureden schaffen wir aber nicht alles. Bei einigen anderen Gästen sehen wir, daß sie sich das Lammfleisch nicht leisten können. Als wir Mosul nach Westen in Richtung Sinjar verlassen, kann ich noch kurz das Minarett der Nureddin Zengi Moschee fotografieren, das recht verbogen aussieht und an den Schiefen Turm von Pisa erinnert. Abdullah meint aber, daß das Minarett absichtlich verbogen wurde und nicht der Zahn der Zeit war.
Wir folgen zunächst der Straße nach Syrien und lassen auf unserer rechten Seite die Zementfabrik von Badush liegen, eine echte Dreckschleuder. Bald nach der Ortschaft Khallaf teilt sich die Straße. Wir biegen nach rechts ab. Schräg links geht es zum irakisch – syrischen Grenzübergang Sadda / Yaarabiya. Auf der linken Seite begleitet uns eine Hügelkette, die größer und größer und schließlich zu einer ausgewachsenen Bergkette wird. Abdullah erzählt uns, daß Angehörige der Yeziden in dieser Region wohnen. Schließlich biegen wir nach links ab auf die Bergkette zu und haben den Jebel Sinjar vor uns. In Serpentinen fahren wir die Bergkette hinauf. In den Tälern wird intensiv Wasserwirtschaft betrieben. Auf den kleinen, terrassenartigen Feldern wird Weizen angebaut, der mit der Hand geerntet wird. Auf halber Höhe besuchen wir das Dorf Kersi und werden dort von dem Bürgermeister Kather und seinem Gefolge zum Tee eingeladen. Die Bewohner sprechen ausschließlich kurdisch, was für Abdullah kein Problem ist. Auch sie beklagen sich über die seit zwei Jahren anhaltende Trockenheit, die verhindere, daß ein Kanal Wasser aus einer anderen Region heranführen könne. Ich wünsche ihnen, daß der Regen bald verstärkt kommen möge. Dieses ist jedoch offenbar auch nicht richtig. Ich werde belehrt, daß der Regen zur Zeit nichts bringen würde. Regen wird in der Zeit von Oktober bis März gebraucht, wenn die Ernte heranwächst. Sonst ist er zu nichts nütze.
Der Bürgermeister meint, daß es in dieser Region die beste Luft der Welt gäbe und daß sie noch besser sei, wenn die Weizenfelder voll im Saft stehen. In der Tat, auch wir genießen die frische, kräftige Luft sehr. Einem Fototermin können auch die Würdenträger des Dorfes nicht widerstehen und die Bilder der Digitalkamera werden gebührlich bestaunt. Die Fahrt geht weiter hinauf auf den Jebel Sinjar bis zur Spitze. Nach beiden Seiten fällt der Berg gleich stark ab und geht über in eine weite, flache Ebene. Auf der Spitze steht eine kleine Moschee, Abdullah meint, sie gehöre zu der Glaubensrichtung der Yeziden. Ich habe den Eindruck, die Yeziden umgibt etwas besonderes. Vom Jebel Sinjar geht es wieder die Serpentinen hinunter in den Ort Sinjar am Fuße des Berges. Auf dem Gipfel eines kleinen Berges in Sinjar liegt eine kleine Moschee, die vor langer Zeit zu Gedenken einer Tochter eines Kalifen errichtet wurde, die einmal eine Nacht in Sinjar übernachtet hatte. Sinjar ist eine kleine, einfache Bergstadt. Die Bevölkerung besteht neben den Yeziden aus muslimischen Kurden und Arabern. Der Wohlstand hat in Sinjar wahrlich noch keinen Einzug gehalten oder ist vor langer Zeit wieder ausgezogen. Die Läden auf der Hauptstraße bieten vor allem Lebensmittel, Artikel des täglichen Bedarfs und Kleidung an. Als ich beim Fotografieren jemandem das gemachte Foto zeige, macht diese Sensation schnell die Runde. Der Zustrom nimmt solche Formen an, daß Uwe und Abdullah es bald mit der Angst bekommen. Um den Aufstand etwas in Grenzen zu halten, kürzen wir daher unseren Stadtbummel etwas ab. Da es in Sinjar kein Hotel gibt, müssen wir ohnehin noch am gleichen Abend nach Mosul zurückkehren. Wir nehmen jetzt jedoch die Hauptstraße, die direkt von Sinjar durch die Ebene nach Mosul führt.
Wie schon auf der Serpentinenstraße durch die Berge begegnen wir auch hier vielen Lastwagen, die mit Schafen beladen sind. Abdullah erzählt uns, daß die Transporte dazu dienen, den Standort der Schafherden zu verlegen. Manchmal befindet sich auch der Esel des Schafhirten unter den Schafen auf dem LKW. Abdullah berichtet, daß die Schafe nicht notwendigerweise den Stämmen der Region gehören. Die Eigentümer der Schafherden sind häufig reiche Kaufleute aus Mosul, Bagdad oder anderen großen Städten, die Verträge mit zahlreichen Schafhirten für Herden irgendwo in der Region haben. Auf dem Weg zurück kommen wir auch durch den Ort Tallafar (=der Hügel von Afar). Tallafar ist der Knotenpunkt der Region und verfügt laut Abdullah über eine relativ wohlhabende Schicht, die insbesondere den Weizenhandel der Region kontrolliert und Transporte organisiert. Der Ort ist recht groß. Abdullah meint, daß wohl 250.000 Bewohner in Tallafar leben. In Mosul sollen 1 Mio Menschen leben. Was wir bei der Durchfahrt zu sehen bekommen, macht jedoch eher einen ärmlichen Eindruck. Um nicht nochmals einen Volksaufstand beim Fotografieren zu provozieren, regt Abdullah dringend an, daß ich vom Auto aus fotografiere. In Mosul wird zunächst wieder aufgetankt. Dann kann ich den „Schiefen Turm von Mosul“ auch noch aus der Nähe fotografieren. Nachdem wir wieder im Oberoi Hotel in Mosul eingecheckt haben, zeigte uns Abdullah den Tigris oberhalb von Mosul. In einem Erholungsgebiet von ca. 20 km erstreckt sich ein Erholungsrestaurant neben dem anderen. Wenn Mitte Juni in Irak die Schulen schließen und die großen Sommerferien beginnen, ist hier Hochbetrieb von morgens bis spät in die Nacht. In den Restaurants, in den Parks und selbst auf dem Bürgersteig kampieren die Familien und machen Picknick. In einem dieser Restaurants essen wir am Abend - mal wieder Masqouf. Diesmal ist es jedoch kein Karpfen, sondern Shabbut. Die anderen Fischarten aus dem Tigris, die häufig zum Masqouf verwandt werden, sind die Fische Gittan und Bunni. Der Fischreichtum hat durch die Trockenheit der letzten beiden Jahre offensichtlich noch nicht ernsthaft gelitten.
Auch in Mosul ist der Volkswagen Passat ein häufig gesehenes Auto und wird sehr oft als Taxi benutzt. Der VW Passat stammt aus Brasilien und wird im Volksmund liebevoll als „Brasiu“ bezeichnet. Er wurde in den Jahren 1982-1988 aufgrund eines Barter-Geschäftes “Erdöl gegen Autos“ mit Brasilien von dort eingeführt. Bedingt durch das Embargo konnte er nicht erneuert werden und ist daher auch heute noch ein vielgesehenes Auto. Oft wird er erfinderisch wieder zusammengeflickt. Ein neues Auto kann man sich nicht leisten und Ersatzteile sind teuer. Deshalb ist auch die Versuchung groß, sich bei anderen Wagen heimlich etwas “auszuleihen”. In Bagdad gibt es einen Souk, der heißt “Der Souk der Diebe”, wo man sich das am Abend zurückkaufen kann, was einem morgens gestohlen wurde. Selbst wenn man den Wagen zur Reparatur in eine Werkstatt bringt, kann es passieren, das hinterher etwas fehlt. Die Not hat deshalb jeden Iraker heute zum Mechaniker seines eigenen Autos werden lassen. Abdullahs englische Sprachkenntnisse werden jeden Tag besser, reichen aber nicht ganz aus, um uns die Einzelheiten zu erzählen, welche besondere Rolle die Yeziden in der Region spielen. Nach unserer Rückkehr in Mosul treffen wir einen Oberkellner in einem Restaurant am Tigris, der Yezide ist und verspricht, uns Einzelheiten über sein Volk später am Abend zu erzählen. Später am Abend verschiebt er seinen Bericht jedoch auf den nächsten Morgen. Wir versprechen, zum Frühstück wiederzukommen. Am nächsten Morgen entschuldigt er sich, daß sein Geschäftsführer es ihm nicht erlaubt habe, mit uns zu sprechen, und vertröstet uns auf den Nachmittag. Es ist offensichtlich, daß der Yezide Bedenken bekommen hat, uns etwas über sein Volk zu erzählen. Wir geben auf. Gleichwohl hat sein Verhalten unsere Neugier noch gesteigert.
Schließlich hören wir die Geschichte der Yeziden von Dr. Bashir. Bei den Yeziden handelt es sich um eine besondere Gruppe von ca. 300.000 Menschen meist kurdischen Ursprungs, die hauptsächlich in der Gegend von Sinjar zu Hause sind. Die Gruppe wird von zwei Führern geleitet, einem weltlichen/politischen Führer und einem religiösen Führer, die beide voneinander unabhängig sind. Die Yeziden werden als Vermittler zwischen den Arabern und Kurden in der Region sowohl von der irakischen Regierung als auch von den Kurdenstämmen geduldet. Sie haben eine eigene Religion, die in grundlegenden Dingen von anderen Religionen abweicht. Wesentliches Merkmal ist, daß die Yeziden nicht den gütigen Gott, sondern ein Wesen anbeten, das sie als "Shaitan" (arab. für Teufel) bezeichnen. Die Gewalt des Shaitan dominiert auf der Erde über die Macht Gottes. Nur die Furcht vor dem Shaitan öffnet den Weg zu der Güte Gottes. Ein weiteres Merkmal der Yeziden ist, daß sie jede Ausbildung ablehnen. Nur ihre Führer sind gebildet, und verfügen angeblich über ein Buch, in dem alles steht, was sie lehren. Das Buch wird jedoch im Verborgenen aufbewahrt, so daß niemand die Anweisungen der Führer überprüfen kann. Durch Sammlungen unter den Yeziden sollen die Führer sehr reich sein. Am Sonntag Abend sind wir bei Abdullahs Mutter in Mosul eingeladen, die den ganzen Tag dazu verwandt hat, uns ein herrliches Mahl zu bereiten. Zwei Cousins, einschließlich Dr. Bashir, hat Abdullah mit eingeladen. Der andere Cousin studiert im zweiten Jahr Jura an der Universität in Mosul. Wie in der arabischen Welt nicht unüblich, sind die Frauen – auch die Frau des Hauses – in die Hintergemächer verbannt, obwohl sie beim Empfang und beim Abschied unverschleiert und völlig natürlich mit uns sprechen. Es gibt: Weinblätter, Paprikaschoten und Zwiebeln gefüllt mit Rindfleisch und verschiedenen Gewürzen (Dolma Mossa); eine Bratpfanne mit gebratenen Hähnchenteilen, Bratkartoffeln (wie von Muttern) (Tawah Dadjadj); eine Art Pizza mit Rindfleisch und Reis (Lahm Adjun); locker gekochten Reis mit leichten Currygewürz (Ruzz Birdjani); Reis, Rindfleisch, Curry angemacht mit Olivenöl (Kupa Halabi). Dazu gibt es Yoghurt mit Knoblauch und Gurke (Djadjik), Petersiliensalat (Tabouleh) und einen Fruchtsaft-Cocktail (Sharab Asir) – einfach super!
Das Essen ist köstlich, aber kaum zu schaffen. Uwe und ich müssen höllisch aufpassen, daß wir die Mengen, die uns auf den Teller getan werden, auch bewältigen. Zu gut sind uns noch die Überredungskünste von Abdullah beim Masqoufessen am Abend zuvor in Erinnerung. Zum Schluß haben aber doch wieder Abdullahs Mutters Koch- und Abdullahs Überredungskünste gesiegt: Wir haben viel zu viel gegessen und hätten gern noch mehr gegessen, wenn wir nur gekonnt hätten! Gastfreundschaft auf Arabisch! Am Sonntag, den 30.4.2000, wollen wir
die zweite Assyrerhauptstadt Nimrod (ca. 1273 v. Chr. bis 782 v. Chr.),
das Museum in Mosul und die dritte Assyrerhauptstadt Nivine (721 v. Chr.
bis 626 v. Chr.) besuchen.
Die dritte assyrische Hauptstadt Ninive liegt unmittelbar am Stadtrand von Mosul. Auch hier wurden viele Teile insbesondere nach London verschleppt. Im wesentlichen ist von Ninive noch ein Stadttor und ein Teil der Stadtmauer zu bewundern. Wir gönnen uns eine Pause von unserer Reise in die Vergangenheit. Eine Fähre bringt uns auf eine Tigris Insel, wo wir einige Tees trinken. Dann setzen wir unsere Entdeckungsreise fort und wir besuchen den Souk von Mosul. Obwohl das Angebot reichlich ist, können sich viele Vieles nicht leisten. Ein Gramm Gold wird mit US-Dollar 8,81 gehandelt. Im Gegensatz zu anderen Ländern werden Aufschläge für künstlerische Arbeiten gesondert berechnet und auf den Goldpreis aufgeschlagen. Am Montag, den 1. Mai 2000, fahren wir zurück von Mosul über Kirkuk und Baquba nach Bagdad. Von Mosul nach Kirkut sind es 177 km. Östlich der Straße liegt in einiger Entfernung Kurdistan. Die Zahl der militärischen Anlagen entlang und verstärkte Kontrollposten auf der Straße mögen damit im Zusammenhang stehen. Nach 100 km überqueren wir den Größeren Al Zab Fluß und später auch noch den Kleineren Al Zab Fluß, die beide aus den kurdischen Bergen kommen. Nach 115 km geht eine Straße links ab nach Arbil, eine der drei kurdischen Provinzen. Auf der rechten Seite begleitet uns in der Ferne die Himrin Bergkette, die wir bereits auf der Fahrt von Bagdad nach Mosul von der anderen Seite gesehen hatten. Wegen der anhaltenden Trockenheit ist auch hier das Getreide auf den Feldern nur spärlich gewachsen. Weit vor Kirkuk beginnen die Zeichen der umliegenden Ölfelder. Sammel-Pipelines durchziehen das Land, Gas wird abgefackelt und in der Ferne sehen wir eine Ölraffinerie. Das Öl wird überwiegend über eine Pipeline zum türkischen Hafen Ceyhan befördert und im Rahmen des Oil for Food Abkommens mit den Vereinten Nationen ausgeführt. Wir sehen Welt-Ölpolitik zum Anfassen!
Kirkuk ist wie Mosul eine alte assyrische Siedlung, erlangte aber erst eine größere Bedeutung, als man 1927 Erdöl in der Region fand. Eine “ewige Flamme”, genährt von ausweichendem Erdgas, weist aber schon seit alters her auf den Erdölreichtum in der Tiefe hin. Abdullah meint, Kirkuk sei stark türkisch geprägt, was durch das alte ottomanische Schloß auf einem Berg in der Stadt unterstrichen wird. Nach einer Besichtigung der Altstadt von Kirkuk geht es weiter. Auf dem Weg nach Bagdad machen wir nur noch einmal in der Apfelsinenstadt Baquba halt und erreichen am frühen Abend Bagdad. Abdullahs unendliche Gastfreundschaft ist weiterhin ungebrochen und er läßt es sich nicht nehmen, uns zum Essen bei sich zuhause einzuladen. Seine Frau steht im Kochen seiner Mutter in Nichts nach und wieder werden die Magenwände aufs äußerste strapaziert. Da wir einen Tag eher als geplant wieder zurückgekehrt sind, beschließen wir, am nächsten Tag noch Babylon, Hilla und Kerbala im Süden Bagdads zu besuchen. Die Abfahrt verspätet sich etwas, da wir vorher noch unsere Visa, die wie stets nur für 10 Tage gelten, verlängern müssen. Gegen Mittag haben wir es geschafft. Babylon liegt nur 90 km südlich von Bagdad. Auf der Fahrt sehen wir viele Dattelpalmwälder, die im Süden Iraks noch größer sein sollen. Im Schatten der Palmweldel wachsen andere Bäume wie Apfelsinen, Zitronen, Bananen – und auch Wein. Die Schutzherrschaft der Dattelpalmen scheint dem Wein zu gefallen (s. Abb.)! In Babylon besichtigen wir das Ischtar (die Göttin der Schönheit der Babylonier) Tor, das Amphitheater von Alexander dem Großen und den wiedererrichteten Palast von Nebukadnezar. Vergangenheit pur!
Unser Führer ist sehr sachkundig. Er ist selbst Archäologe und hat sich seit vielen Jahren an den Ausgrabungen mit den verschiedensten ausländischen Partnern beteiligt. Erstaunlicherweise basieren seine Ausführungen und Bilder, die er uns zeigt, auf Büchern in deutscher Sprache (siehe Abbildung)! Die Lösung: Deutsche Forscher haben Wesentliches zur Erforschung Babylons beigetragen und ihre Bücher wurden nie übersetzt, weder ins Englische noch ins Arabische. Der Führer hat nichts dagegen, daß wir seinen interessanten Bericht mit dem Diktiergerät aufnehmen, den ich deshalb im englischen Originalton fast unverändert wiedergeben kann: “Robert Coldewy, a German national, visited Babylon as a tourist in 1887. He collected some pieces from the original site from Babylon and he took them via Kurdistan and Istanbul home. He asked for a permission to start excavations in Babylon. When he received the o.k., he went to Berlin to hire staff. He started digging in 1899 and he went on until 1917, i.e. for about 18 years. Linson, a teacher for the adults, was following Robert Coldewy to dig in Babel and in the north of Iraq. Babylon city was situated in the middle part of Iraq (Uroq= the area of the fertile land). The name was changed into Iraq being the original Greek name for Iraq meaning the green land between Tigris and Euphrates. The city Babylon was divided by the river Euphrates. The first city of Babylon was built 4000 AD. It belonged to the family tribe of “Gardinga” meaning “the gate of the God”. In the course of 6000 years the name was changed from “Babilu” or “Babila” to “Babel” (Arabic = The gate of the God”. In order to protect the city from the enemies, the city was surrounded by walls and watered by canals.
There were nine entrances, nine gates. The names for the gates were names for Gods: North: Ishtar Gate, Sin Gate, Logagara Gate, East: Mardok Gate, Nota Gate; South: Ilil Gate, Orash Gate and Shemesh Gate; West: Codladad Gate. From all the gates, there were several roads going to different directions to join Babylon and the other cities around Babylon. From Ishtar 40 km to Attak, from Sin 50 km to Suba, from Maddok 60 km to Gutti, from Nota 25 km to Kish, from Ilil 400 km to the place of Abraham. From Orash 40 km to Dalbat, from Shemesh 25 km to Borsippa. A model of the Blue Building was built in 1958 as a sign for tourists and visitors to let them understand, that they are now in the valley. Babylon city was a capital, a capital for the Great Babylonean Empire. Babylonean Empire was a very big territory from the border of the Mediterranean Sea (Lebanon) up to Bahrain = Great Babylonean Empire. A famous King was Hamurabi, shown on a picture standing in front of the God Shemesh, the God of the Sun. He waited to receive the law from the God. The old Babylon Dynasty continued from 4000 b.c. until 2000 b.c.. After 2000 b.c. the city Babel was occupied by the enemies. Laidahitit died at the border between Turkey and Syria. After the Cassaid people the Assyrians had occupied Babel from 11 century b.c . until 612 b.c. Father of Nebukadnezar made a good relation with the Persian Median Empire, northwest of Persia, south from Armenia, now called Hamadan. To improve the relations between Media and Babel he agreed to let his son getting married with the daughter of Kiexan (=Media King) in 600 b.c., which resulted in a good union between the two enemies. Thereafter they attacked Nineveh and revenged the Assyrian king and divided the Assyrian Empire between Media and Babel. Thus Babel became again a capital for the Great Babylonian Empire.
Of the First Golden Period, i.e. of the time of Hamurabi there is nothing to see as everything is 4,5 m under the floor. The Second Golden Period is the time of Nebukadnezar II. All buildings built by Nebukadnezar are missing now. During the Ottoman occupation, when the Germans arrived here, the people living in the villages near the river in small cities, needed bricks for their houses. So they had to destroy the city and they took the bricks for their buildings. Others became merchants in order to collect the bricks and to sell them to anybody who needed bricks.
Of the Babylon Tower only the foundation is left, the tower was destroyed. They built the tower as stairs between the earth and the heaven as a religious, holy building. The people and the worshippers believed, that all the Gods are in heaven. Thus the Gods must come down to meet the people. The tower was destroyed later by the Archamenian Arxaxis, when there was a revolution in 482 b.c.. Actually the Babilonians built several towers in different places.“ Obwohl die Zeit wegen des verspäteten Aufbruchs von Bagdad fortgeschritten ist, besuchen wir noch den Imam Ali Ibn Abi Talib Schrein in Najaf (s. Abb.) und den Imam Al Hussein Schrein und Abu Al Fadhil Al Abbas Schrein in Kerbela. Es ist Hochbetrieb! Wir haben den Eindruck, daß diese heiligen islamischen Stätten in erster Linie von Schiiten besucht werden. Wir sehen auch viele Besucher aus dem Iran, die hier ihre verstorbenen Angehörigen bestatten oder besuchen wollen. Auch wir als Nicht-Moslems dürfen die Innenhöfe der Moscheen besichtigen und sogar Fotos machen. Das kunstvolle Mosaik und die goldbeschichteten Kuppeln und Minaretts sind beeindruckend!
Mittwoch, der 3. Mai 2000, ist Ruhetag in Bagdad, den insbesondere Uwe in unserem Garten sehr genießt. Ein letzter Einkaufsbummel mit Abdullah und Auss durch den Mustanzariya Souk wird noch dazwischengeschoben, um noch einige Mitbringsel einzukaufen. Abends nehmen wir Abschied in unserem Garten von Abdullah, Dr. Riad Dabagh und Auss. Uwe verlässt Bagdad am Donnerstag, den 4. Mai 2000 um 14.00 Uhr. Ich habe noch einen unaufschiebbaren Termin am Abend. Eine große deutsche Wirtschaftsdelegation will Bagdad Ende Mai besuchen. Ich will dabei sein und besorge mir noch die letzten Informationen vor Ort. Ich folge Uwe am Freitag Morgen. Aus einer Reise nach Kurdistan ist eine
Reise in zwei Vergangenheiten unterschiedlicher Prägung geworden.
Zum einen haben wir die antiken Stätten besucht, an denen unsere Zivilisation
entstand. Zum anderen haben wir einen Irak gesehen, der in seiner Entwicklung
1990 stehen geblieben ist. Ich hoffe, daß die antiken Stätten
bald allen Menschen wieder zugänglich sind und daß im Irak bald,
möglichst sehr bald, die Zukunft wieder an die Tür klopft! Inscha’allah!
So Gott will!
Dubai, den 22. Mai 2000
|