Reisebericht nach Bagdad
vom 21.11.1998 bis zum 26/27.11.1998

 

zusammengestellt von
Rolf Meyer-Reumann
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Die Vorbereitung der Reise fiel in eine etwas kritische Zeit, weil – wieder einmal – die Amerikaner heftig darauf reagierten, daß der Irak – wieder einmal – die Kooperation mit den UN Waffeninspektoren der UNSCOM eingestellt hatte. Parallel dazu nahm gleichwohl eine Fähre von Dubai aus pünktlich am Donnerstag, den 12.11.1998 fahrplanmäßig einen neuen Fährdienst nach Basra auf. Kurz darauf, am 14.11.1998, erfolgte allgemeine Entwarnung. Die Iraker versprachen – wieder einmal – uneingeschränkte Kooperation mit den Waffeninspektoren und die Amerikaner  stellten – wieder einmal – ihre Drohgebärden ein. 

Für unsere Reise hatte dieses Geplänkel eine Nebenwirkung: Der Vertreter der BFAI in Dubai, Herr Reichwein, der an der Reise teilnehmen wollte, bekam keine Reisegenehmigung, da das deutsche Außenministerium noch nicht das allgemeine Reiseverbot für Angestellte des öffentlichen Dienstes nach Irak wieder aufgehoben hatte. 

Mein Visum traf in letzter Minute ein und so konnten Karin und ich am 21.11.1998 um 08.30 planmäßig unsere Reise mit Royal Jordanian nach Amman antreten. Am Flughafen in Amman erwartete uns bereits Ibrahim, unser Taxifahrer, nach Bagdad. Er konnte zunächst nur unser Gepäck mitnehmen. Wir selbst mußten mit einem Flughafentaxi zunächst einige Kilometer fahren, da die Bagdad-Taxis neuerdings keine Passagiere mehr direkt am Flughafen aufnehmen und abliefern dürfen. Nach wenigen Kilometern stiegen wir dann um und begaben uns auf die 1001 km Taxitour nach Bagdad.

Ibrahim berichtete uns, daß alle ständig in Bagdad ansässigen Ausländer, die wegen der Krise den Irak verlassen hatten, in den Tagen zuvor wieder zurückgekehrt waren. Der LKW- und Öltankwagenverkehr war normal. Der PKW-Verkehr war jedoch sehr spärlich und Busse sahen wir überhaupt nicht. Die Straße auf jordanischer Seite war naß und es hatte offensichtlich kurz vorher geregnet. Beim Passieren der jordanisch-irakischen Grenze waren wir auf der jordanischen Grenze die Einzigen und auch auf der irakischen Seite war der Personenverkehr extrem spärlich. So schafften wir das Passieren der Grenze in Rekordzeit von einer halben Stunde (der persönliche bisherige Rekord lag bei über einer Stunde). Auf irakischer Seite, wo die Öltanker auf eine Nebenstraße verbannt werden, gehörte uns die Autobahn nahezu allein. Dieses Gefühl hatten offenbar auch einige LKW-Fahrer. Zweimal trafen wir LKW’s, die im Tandem nebeneinander fuhren und sich so während der langen Tour Unterhaltung verschafften. Als wir anrückten, machten sie links gerade so viel Platz, daß wir soeben vorbei konnten, ohne daß sie in ihrer Unterhaltung gestört wurden.

Ebenfalls in neuer Rekordzeit erreichten wir um 20.30 Uhr unsere Unterkunft in Bagdad nach 9 Stunden  Fahrzeit (1 Stunde Zeitdifferenz). Alles war für unseren Empfang vorbereitet und das Haus hell erleuchtet. Ein Blick in den Garten brachte eine Überraschung: Alles war neu angelegt, die Blumenbeete waren von schönen Natursteinen umfaßt, der Rasen war wunderbar grün und ein kleiner Gartenpool für Schilfpflanzen war kurz vor der Vollendung. Die größte Überraschung war jedoch die Maskouf-Feuerstelle. Tommy, der neue Jagdhund von Shareen, bewachte das Haus und betrachtete uns zunächst als unerbetene Eindringlinge.

Der erste Tag verging mit der Vorbereitung von Terminen und der Fertigstellung einer Darstellung der Probleme der Warenzeichenregistrierung im Irak. Die nächsten Tage vergingen mit Besprechungen in Ministerien, mit Anwälten und Geschäftsleuten.  Die 1996 begonnene Übung begann zur Routine zu werden.

Während meines Aufenthaltes in Bagdad machte ich keine weiteren Notizen über Ereignisse, die lohnenswert wären erzählt zu werden. Es hat sich seit meinem ersten Aufenthalt im Frühjahr 1996 wenig verändert. Der Wechselkurs des irakischen Dinars ist stetig weiter gefallen und liegt jetzt bei US$ 1 = Iraqi Dinar 1.750,--. Der schlechte Zustand der PKW’s hat sich nicht wesentlich ändert. Insbesondere die Taxis sind in einem vorsintflutlichen Zustand.  Nur die Polizei hat zwischenzeitlich neue PKW’s einer fernöstlichen Marke bekommen. Auf meine wiederholte Frage an verschiedene Personen, ob man in den letzten zwei Jahren, nachdem das Oil-for-Food-Deal eingeführte worden war, Verbesserungen in der Versorgung gespürt hätte, war die Antwort durchweg negativ. Der Versorgungskorb für die Bevölkerung sei unerheblich verbessert worden. Andere Teile der Daseinsvorsorge hätten sich erheblich verschlechtert. 1996 gab es noch keinen Energieausfall. Heute wird in Bagdad, nach Stadtteilen getrennt, täglich jedem Haushalt zwei Stunden der Strom abgesperrt. Die Telefonverbindungen zum Ausland wurden im Sommer 1998 wieder geöffnet. Während meines Aufenthaltes gelang es zum ersten Male, daß man mich wiederholt von Dubai aus ohne große Probleme telefonisch in Bagdad erreichen konnte. Über die neue Fährverbindung Dubai – Bagdad wurde viel gesprochen. Ob sie sich halten wird, bleibt abzuwarten. Bereits bei der zweiten Überfahrt waren erste Schwierigkeiten in Dubai aufgetreten, als Irakis ein Transitvisum in Dubai begehrten. 

Am letzten Tage meines Aufenthaltes erhielt ich von der UN-Vertretung in Bagdad den letzten Bericht des UN Generalsekretärs vom 19.11.1998 über die Auswirkungen des Oil-for-Food-Programmes auf die Daseinsversorgung. Mein persönlicher Eindruck wurde durch den Bericht bestätigt. Die Mittel, die durch das Oil-for-Food-Abkommen zur Verfügung stehen, erlauben nur eine Flickschusterei. Während die medizinische Versorgung leichte, statistische Verbesserungen aufzeigt, ist man in anderen Bereichen froh, wenn man eine Verschlechterung der Lage vermeiden kann. Bei der Energieversorgung sieht es noch düsterer aus: Bis Ende 1999 rechnet man damit, daß sich die Energieversorgung noch weiter verschlechtert. 

Grundlegende Veränderungen  sind notwendig, um die Lage in den Griff zu bekommen. Der Bereich der humanitären Güter im Irak umfaßt meines Erachtens inzwischen  alles, was nicht ausschließlich für Rüstungs- oder Kriegsführung bestimmt ist.

Dubai, 01.12.1998
Rolf Meyer-Reumann
Meyer-Reumann Legal Consultancy, Dubai / Abu Dhabi
 

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