|
Reise nach Bagdad anläßlich der
zusammengestellt von
Wie immer war alles sorgfältig vorbereitet worden. Dank Lufthansa’s freundlicher Unterstützung erhielt ich das Irak-Visum am letzten Tage in Amman. Hoch lebe die Lufthansa! Abends um 23.00 Uhr habe ich die letzten Dokumente für die Reise ins Laptop runtergeladen. Morgens ging es dann in letzter Minute zum Flughafen. Begleitet wurde ich von unserem Rechtsanwalt in Baghdad, Herrn Auss Younes, der sich für einige Wochen bei uns angesehen hatte, wie man jenseits des Embargovorhanges als Anwalt tätig ist. Glücklich am Schalter der Jordanian Airlines angekommen, erklärte man mir, die Economic Class sei voll und der Schalter geschlossen. Die Zeit, ein neues Ticket zu kaufen, war zu knapp und ich wurde einfach hoch in die erste Klasse gestuft! Im Flugzeug saß ich dann in der ersten Reihe auf Sitz A. Es lebe Jordanian Airlines! In Amman besuchten wir den Leiter der
dortigen Lufthansa-Niederlassung, Herrn Atallah Keshek. Er war wieder einmal
äußerst hilfsbereit gewesen und hatte mir mein Visum in kürzester
Zeit besorgt. Natürlich sprachen wir auch über den Flugverkehr
nach Baghdad. Einige ungenehmigte Flüge hatten schon stattgefunden
und Herr Atallah Keshek berichtete, daß der jordanische Ministerpräsident
beabsichtigte, in den nächsten Tagen nach Bagdad zu fliegen, um eine
Erweiterung des gegenseitigen Handelsaustausches – und größere
Öllieferungen an Jordanien zu günstigen Preisen – zu vereinbaren.
Die Russen planen laut Mr. Keshek noch in dieser Woche, einen regelmäßigen
Luftverkehr nach Baghdad wieder aufzunehmen. Innerirakische Flüge
sollen dem Vernehmen nach auch wieder aufgenommen werden.Herr Keshek berichtete
weiter, daß die arabischen Staatschefs sich im nächsten März
in Amman treffen wollen. Oberstes Thema: Die Aufhebung des Embargos durch
die arabischen Staaten. Es scheint, die Nationen der Welt sind embargomüde.
Die Reise nach Baghdad verlief normal. Angesichts der bevorstehenden Messe
in Baghdad war der Verkehr nach erstaunlich gering. Vielleicht war ich
etwas zu früh. Die Grenzkontrollen gingen zügig voran, der Fahrer
fuhr schnell und sicher. So erreichten wir gegen 10 Uhr abends noch recht
früh Baghdad, obwohl wir vom Flughafen noch nach Amman hineingefahren
waren.
Am 1.11.2000 ging ich dann zur Eröffnung
der Baghdad International Fair 2000. Die Messe wurde von dem Vizepräsidenten
Ramadan eröffnet, der eine lange Rede in arabisch hielt. Deutschland
hatte die Halle 3 bekommen und war mit 52 Firmen auf einer Fläche
von etwa 1.200 m2 sehr gut repräsentiert. Hinzu kam ein großes
Freigelände. Herr Burckhardt von der IMAG erklärte mir, daß
er gerne noch eine größere Fläche gehabt hätte, die
man ihm aber nicht mehr haben geben können. In der Tat erschienen
einige große, deutsche Firmen durch die Größe ihrer Stände
von nur wenigen Qadratmetern etwas unterrepräsentiert. Insgesamt zeigte
Deutschland aber „Flagge“. Am 3.11.2000 gab es für die Deutschen sogar
eine offizielle Flaggenparade. Telefonisch wurde aber besprochen, wie die
Deutsch-Irakische Gesellschaft wieder stärker belebt werden könnte.
Eine Web-Page für den Verein wurde angedacht.
Die Ausgangsbasis war, daß sich
Deutschland seit dem November 1999 intensiv darum bemüht, die Verbindungen
zum Irak wieder zu verbessern, die jahrelang stärker als von anderen
Nationen, vernachlässigt worden waren. Mit großen Wirtschaftsdelegationen
im November 1999 und Mai 2000 und eine ums mehrfache gestiegene Messebeteiligung
an der Baghdad Messe im November 2000 hat Deutschland sich wirkungsvoll
zurückgemeldet. Die Verbesserung der Beziehungen von irakischer Seite
ist in der Praxis jedoch nur schleppend vorangekommen. Deutsche Firmen
werden auch heute noch bei allen größeren Aufträgen geschnitten.
Als Beispiel nannte Herr Dr. Ellner ein Lokomotivengeschäft, bei dem
die Auftragsvergabe an eine deutsche Firma auf ministerieller Ebene bereits
weitgehend abgestimmt war. Auf Grund einer Anweisung „von oben“ ging der
Auftrag dann jedoch nach China.
Die starke deutsche Beteiligung an der Internationalen Bagdad-Messe (1.11.-10.11.2000), könnte, ebenso wie eine im Frühjahr 2001 geplante irakische Delegationsreise nach Deutschland, die auf eine auf Einladung des BDI vom Mai 2000 zurückgeht, weiter dazu beitragen, die deutsch-irakischen Beziehungen wieder zu normalisieren. Im Bereich der Luftfahrt ist etwas Bewegung in das absolute Flugverbot gekommen. Eine UN-Resolution sieht bereits eine Aufhebung des Flugverbotes, die jedoch vom Irak nicht anerkannt wird, da diese Resolution auch die Einrichtung einer Waffenkontrollkommission im Irak vorsieht. Die Auflockerung im Flugverkehr wurde von Frankreich eingeleitet, als es vor kurzem eine französische Maschine mit humanitären Gütern nach Bagdad schickte. Die Russen haben mit einer weitgehend unbekannten Fluggesellschaft, eine Privatgesellschaft, die teilweise mit Aeroflot kooperiert, einen „wöchentlichen Charterdienst“ eingerichtet, der ebenfalls offiziell mit der Beförderung humanitärer Güter gerechtfertigt wird. Desweiteren sind einige Flüge von Emirates Airlines von Dubai bekannt. Der Unterzeichnende traf auf der Messe zufällig eine Gruppe der Dubai Chamber of Commerce, mit ihrem General Manager, Mr. Al Mutaiwee, die am Morgen mit Emirates Airlines in Bagdad gelandet waren. Dr. Ellner bezweifelt jedoch , daß dies zu einer allgemeinen Auflockerung des Flugverbots führen wird, wenn die Amerikaner dem nicht zustimmen. Neue Erkenntnisse über eine Veränderung der amerikanischen Haltung zu Fragen des Embargos dürften noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Hierfür sind zunächst die amerikanischen Wahlen abzuwarten, dann die offizielle Übernahme der Regierungsgeschäfte durch den Wahlsieger und danach wohl auch noch die ersten hundert Tage, während sich die neue amerikanische Regierung einarbeitet, aber wohl noch keine wesentliche Entscheidungen treffen wird. Auf Grund dieser zeitlichen Vorgabe hält Dr. Ellner es für möglich, daß vielleicht im nächsten März eine Aufhebung des Flugverbotes für Irak in Betracht kommt. Beim Hinausgehen teilte mir Dr. Ellner
beiläufig mit, daß er am Abend die Delegation des VDMA unter
Leitung von Herrn Udo Köstlin erwarte, die als Sponsor für die
deutsche Beteiligung an der Messe auftraten. Spontan vereinbarten wir,
für die Delegation am Abend einen „kleinen“ Empfang in unserem Garten
zu arrangieren, zu dem wir auch noch die Messeaussteller einluden, soweit
sie nicht schon andere Verpflichtungen hatten.
Am 3.11.2000, als an der Messe wohl gerade
die deutsche Flaggenparade vor dem Messegelände stattfand, ging es
für mich dann wieder auf die 1001 km Strecke nach Amman. Die Woche
war wie im Fluge vergangen. Ich mußte noch mit dem Taxi fahren. Das
letzte Mal?
Dubai, den 5.11.2000
|